01.08.2016

BIM: In der Fensterbranche bald ein Thema?


Durch BIM versprechen sich Experten generell mehr Qualität, gerade auch beim Einbau von Bauelementen.

BIM: In der Fensterbranche bald ein Thema?
Durch die Planung mit BIM steigt die Qualität beim Fenstereinbau auf der Baustelle. Foto: BFH.


Building Information Modeling, ein Begriff der neben Digitalisierung, Industrie 4.0 und Internet der Dinge momentan in aller Munde ist und an jeder Fachtagung auftaucht. Aber: Was steckt dahinter? Welches sind die Vorteile, die für die Fensterbranche zu erwarten sind? Die Berner Fachhochschule (BFH) hat uns zu diesem Thema einen Fachbeitrag zukommen lassen, in welchem die Grundsätze von BIM kurz erläutert und Zweckmäßigkeit sowie Nutzen dargestellt werden.

Building Information Modeling, kurz BIM, ist eine Methode, die über ein zentrales Modell des Gebäudes die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden optimiert. Alle relevanten Gebäudedaten werden digital erfasst, kombiniert und vernetzt. Das Planungsmodell und die stets aktuellen Daten stehen während des ganzen Planungsprozesses allen am Bau Beteiligten zur Verfügung. „Mit BIM können wir ein Projekt virtuell bauen, bevor es auf die wahre Baustelle geht", so Thomas Rohner, Leiter Fachbereich Holz und Professor für Holzbau und BIM an der BFH. Mögliche Probleme, die beim Bau auftauchen können, zeigen sich so bereits im Modell. „BIM hat ein ungeheures Potenzial: Durch die digitale Vernetzung entstehen weniger Fehler, dies ermöglicht wertvolle Zeit- und Kosteneinsparungen", führt Rohner weiter aus.

Optimierungspotenzial bei der Datenanlieferung

Die Prozesse in der Produktion - auch bei Schweizer Fenstern - sind zu einem großen Teil automatisiert, das Optimierungspotenzial in der Herstellung nach Industrie 4.0-Grundsätzen gestaltet. Möglich sind zeitliche und finanzielle Einsparungen aber noch in der Phase der Datenerfassung bzw. -anlieferung. Hier kommt BIM zum Einsatz: Denn BIM beinhaltet nicht nur das 3D-Modell des Gebäudes, sondern bildet auch alle technischen Daten ab. Für das Bauteil Fenster bedeutet dies, dass neben den Größenangaben z.B. auch die Anforderungen an die Bauphysik, die Optik, Lüftung und Beschattung oder weitere glasspezifische Angaben hinterlegt sind. Alle diese Daten kann der Fensterbauer über eine IFC-Schnittstelle (Industry Foundation Classes, ein offenes und neutrales Datenformat) in sein ERP-System (Enterprise Resource Planning) integrieren. Dies spart im Vergleich zu der Erfassung vor Ort oder der manuellen Übertragung in das eigene System viel Zeit und senkt gleichzeitig auch die Fehlerquote. Viele ERP-Systeme verfügen bereits heute über eine IFC-Schnittstelle oder können aufgerüstet werden.

„BIM wird sich durchsetzen"

Das Fenster ist eines der kompliziertesten Bauteile im Gebäude. Bis zum eingebauten Fenster sind viele verschiedene Stellen involviert: vom Fensterbauer über den Glashersteller bis hin zum Beschlaglieferanten. Mit BIM haben alle Beteiligten zu jeder Zeit Zugriff auf die aktuellsten Daten und können diese direkt in die betriebseigene Software speisen. Die Vereinfachung und das Einsparpotenzial liegen auf der Hand. Um von diesen technischen Möglichkeiten möglichst rasch zu profitieren, könnten Fensterbauer schon heute verlangen, dass die Daten BIM-kompatibel angeliefert werden oder z.B. einen tieferen Preis anbieten, falls dies der Fall ist. Eines der ersten Projekte in der Schweiz, das den BIM-Standard bereits in der Planung verlangt, ist der Neubau des Campus Biel/Bienne der Berner Fachhochschule BFH in Biel. Der Kanton Bern als Bauherr verspricht sich so für das hochkomplexe Gebäude, bei dem auch diverse Laboratorien eingebaut werden, eine effizientere Planung und Bauphase. Rohner ist überzeugt: „BIM wird sich in Zukunft überall durchsetzen, weil die Methode klare Vorteile bringt."

Wie schnell BIM Einzug hält, wird sich zeigen. Die BFH unterstützt die Branche mit dem Weiterbildungsangebot CAS Digitale Vernetzung. Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs, der Ende Oktober erstmals startet, sind in der Lage, die Rolle eines BIM-Koordinators zu übernehmen. BIM, die digitale Vernetzung und Industrie 4.0 stehen auch an den windays, dem Branchentreffpunkt für die Fenster- und Fassadenbranche nächstes Jahr im Zentrum: 23. und 24. März 2017 in Biel.

Auf die Homepage der Berner Fachhochschule (BFH) gelangen Sie durch diesen Link.