TMP zeigt, wie KI in der Bauelementefertigung heute schon wirkt
Wie ein Fensterbauer den Mittelstand mitnimm
Geschäftsführender Gesellschafter Tobias Kern begrüßt die rund 80 Teilnehmer. Foto: TMP Fenster + Türen GmbH
Während die Fenster- und Türenbranche den digitalen Wandel vielerorts noch diskutiert, hat die TMP Fenster + Türen GmbH aus Bad Langensalza gehandelt. Ende Mai öffnete das Unternehmen seinen Konferenzraum für rund 80 Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte aus dem Unstrut-Hainich-Kreis. Gemeinsam mit dem BVMW Nordthüringen hatte TMP KI-Experte Florian Arndt eingeladen. Keine hundert Meter entfernt lief währenddessen die Spätschicht – Fenster und Türen in Serienproduktion, so wie jeden Abend.
Den Praxisbericht des Abends lieferte TMP Geschäftsführer Tobias Kern – und er kam aus erster Hand. Kern steht seit Jahren für eine Unternehmenskultur, die technologische Entwicklung nicht als Reaktion, sondern als Führungsaufgabe begreift. Unter seiner Verantwortung hat TMP in den vergangenen Jahren konsequent in Digitalisierung und Innovation investiert: von der Einführung digitaler Kundenserviceplattformen über die WindowConnect-Technologie, die 2024 mit dem Marketing Award des Verbands Fenster + Fassade ausgezeichnet wurde, bis hin zur EPD-Zertifizierung als erster Fensterhersteller in Deutschland. Der Einstieg in KI-gestützte Prozesse war für Kern kein Experiment – sondern der nächste logische Schritt einer konsequent innovationsgetriebenen Unternehmensstrategie.
Konkret berichtete er, wie TMP vor rund zwei Jahren damit begann, KI-Systeme in die operative Auftragsabwicklung zu integrieren. In der Spitze verarbeitet das Unternehmen mehr als 750 Bestellvorgänge pro Monat. Auftragsbestätigungen und Lieferscheine werden heute vollautomatisch geprüft, Abweichungen direkt an Lieferanten zurückgemeldet. Dass diese Lösung für TMP weit mehr als eine Effizienzmaßnahme ist, erklärt sich aus der Produktionslogik des Unternehmens: Zugelieferte Komponenten werden teils noch am selben Tag verbaut. Fehler in der Lieferkette schlagen sich unmittelbar in der Fertigung nieder. Die KI-gestützte Einkaufslogistik hat die Produktionssicherheit messbar verbessert und ungeplante Stillstände deutlich reduziert. Die freigesetzten personellen Kapazitäten fließen in Bereiche, in denen Fachwissen und Erfahrung nicht automatisierbar sind.
Florian Arndt: 20 Anwendungen für den produzierenden Mittelstand
Als Gastredner konnte TMP gemeinsam mit dem BVMW Nordthüringen Florian Arndt gewinnen – Unternehmer aus Mühlhausen, einer der meistzitierten KI-Praktiker im deutschen Mittelstand und ehemaliger Berater des Bundeskanzleramts. Arndt stellte exakt 20 KI-Anwendungen vor, die er selbst im Einsatz hat und die er auf die Anforderungen mittelständischer Betriebe zugeschnitten hat – aus den Bereichen Marketing, Vertrieb, Organisation und Unternehmensführung.
Sein eigenes Unternehmen lieferte dabei die schärfsten Zahlen: 80 Prozent der eingehenden E-Mails werden heute durch eine KI beantwortet. Die Produktionsleistung stieg um 30 Prozent, die jährlichen Kosten sanken um 250.000 Euro. Vier Stellen wurden nicht neu besetzt. Arndt machte dabei keinen Hehl aus den Grenzen: Kreative Handarbeit, situatives Urteilsvermögen und physische Ausführung bleiben menschliche Domänen – der Hebel der KI liegt im Administrativen, Repetitiven und in der Datenverarbeitung.
Moderierter Dialog statt Frontalvortrag
Thomas Hirt-Peterseim vom BVMW Nordthüringen führte durch den Abend und schuf den Rahmen für einen Austausch, der weit über eine klassische Informationsveranstaltung hinausging. Mehr als ein Dutzend Fragen aus dem Publikum – darunter Handwerksbetriebe, Zulieferer und Dienstleister der Region – wurden direkt, offen und ohne Beschönigung beantwortet. Die Resonanz zeigte: Das Interesse am Thema KI im Mittelstand ist groß. Was fehlt, sind praxisnahe Belege. TMP hat diesen Abend genau dafür genutzt.
Positionierung mit Signalwirkung
„Wir wollten keine Konferenz veranstalten, sondern zeigen, was möglich ist – anhand unserer eigenen Erfahrungen aus dem Einkauf", so Bernhard Helbing, Gesellschafter der TMP Fenster und Türen GmbH. „Als Hersteller mit über 35 Jahren Erfahrung und drei Produktionsstandorten haben wir eine Verantwortung: nicht nur für unser Unternehmen, sondern für die Branche und die Region."
Für die Fenster- und Türenbranche sendet dieser Abend ein klares Signal: Digitalisierung und KI sind keine Zukunftsthemen mehr. Sie sind Gegenwartsaufgaben – und ein Fensterhersteller aus Thüringen beweist, dass sie sich rechnen.
Weitere Informationen zum Unternehmen TMP finden Sie hier.
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