4. September 2026

„Den Luftstrom über den gesamten Druckbereich zuverlässig begrenzen“

Interview mit Rainer Venhoven, Regel-air Becks GmbH & Co. KG

Rainer Venhoven: „Ein häufiger Irrtum ist, dass ein Fensterfalzlüfter permanent große Luftmengen einströmen lässt.“ Foto: Regel-air Becks GmbH & Co. KG

Wie viel Frischluft ist eigentlich noch behaglich – und ab wann wird es ungesund? Diese Frage gewinnt an Bedeutung, seit natürliche Lüftungssysteme stärker in den Fokus von Energieeffizienz und Innenraumhygiene rücken. Darüber spricht Rainer Venhoven, Energieberater und Leiter der Systemberatung bei der auf natürliche Lüftung spezialisierten Regel-air Becks GmbH & Co. KG, im Interview.

Herr Venhoven, überschreitet ein Luftvolumenstrom von mehr als zwölf Kubikmeter pro Stunde bei acht Pascal bereits die Grenzen der Behaglichkeit?

Einzelwerte sind immer nur Momentaufnahmen. Ein definierter Luftvolumenstrom bei einem Prüfdruck sagt zunächst wenig darüber aus, wie sich ein Raum im realen Betrieb anfühlt. Entscheidend sind Raumgröße, Nutzung, Temperatur, Luftfeuchte, Belegung und die Druckverhältnisse am Gebäude. Behaglichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren – nicht aus einem einzelnen Messwert. Besonders relevant ist das Verhalten eines Lüftungssystems bei hohen Winddrücken. Denn genau dort zeigt sich, ob ein System Zugerscheinungen vermeidet oder ob kurzfristige Windböen zu stark erhöhten Luftmengen führen. Beim FFL-smart sehen wir, dass der Luftvolumenstrom selbst bei 100 Pascal nur minimal ansteigt – von 16,1 auf 16,7 Kubikmeter pro Stunde. Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine sehr wirksame Regelung. Andere Systeme erreichen bei 100 Pascal dagegen 30 Kubikmeter pro Stunde oder sogar über 100 Kubikmeter pro Stunde. Solche Werte können in der Praxis zu deutlichen Komforteinbußen führen.

Heißt das, mehr Frischluft ist automatisch unbehaglich?

Nein. Zu wenig Luft führt zu steigenden CO2‑Werten und Feuchtigkeit – lange bevor Sauerstoffmangel ein Thema wird. Zu viel unkontrollierte Außenluft kann dagegen Zugerscheinungen verursachen. Die Frage ist nicht: viel oder wenig Luft? Die Frage ist: kontrolliert oder unkontrolliert. Ein gutes System muss den Luftstrom über den gesamten Druckbereich zuverlässig begrenzen.

Der FFL-smart erreicht hohe Luftvolumenströme und gleichzeitig Schallschutzwerte bis Klasse 5. Wie gelingt diese Kombination?

Das ist nur über eine gezielte Luftführung und eine präzise mechanische Regelung möglich. Der FFL-smart ist kein einfaches Loch im Fenster, sondern ein volumenstromabhängig regelnder Fensterfalzlüfter. Die Luft wird durch einen definierten Strömungsweg geführt, während die Klappenmechanik den Luftstrom abhängig vom Winddruck begrenzt – ganz ohne Energiebedarf. Für den Schallschutz ist die konstruktive Gestaltung des Luftweges entscheidend. Man darf die Öffnung nicht einfach verkleinern, sonst fehlt die Luftmenge. Stattdessen muss der Strömungsweg so gestaltet sein, dass Schallbrücken unterbrochen werden und die akustische Wirkung des Fensters erhalten bleibt. Der hohe Schallschutz ist daher immer eine Eigenschaft des Gesamtsystems aus Fenster, Verglasung, Dichtungen und Lüfter.

Wie passt ein Fensterfalzlüfter in moderne Energie- und Lüftungskonzepte – insbesondere mit Blick auf Wärmeverluste?

Ein häufiger Irrtum ist, dass ein Fensterfalzlüfter permanent große Luftmengen einströmen lässt. Genau das verhindert die Klappenregelung. Der Luftstrom wird nur so weit geöffnet, wie es die Drucksituation erlaubt. Bei hohen Winddrücken begrenzt die Mechanik den Luftstrom sofort. So wird einerseits die notwendige Grundlüftung sichergestellt, andererseits unnötige Wärmeverluste vermieden.

Und wie passt das zur geforderten Dichtheit moderner Gebäudehüllen?

Sehr gut. Die Gebäudehülle muss dicht sein – aber sie braucht definierte, kontrollierte Lüftungswege. Dichtheit und Lüftung sind keine Gegensätze. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein System wie der FFL-smart ermöglicht genau das: eine dichte Gebäudehülle und gleichzeitig eine bedarfsgerechte, natürliche Grundlüftung. Darüber hinaus bietet Regel-air Lüftungssysteme an, bei denen der Nutzer den Luftvolumenstrom individuell an seinen jeweiligen Bedarf anpassen kann.

Die Fragen stellte das Team von Book Your Video.

Zum virtuellen Auftritt von Regel-air geht es hier entlang.

 

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