18. Juni 2021

Wo alte Handwerkskunst auf modernes Vakuumglas trifft

Auf dem Areal einer alten Pulverfabrik im Neckartal befindet sich die Holzmanufaktur Rottweil. Foto: Holzmanufaktur Rottweil

In den letzten Monaten lasen wir als Redakteure der bauelemente bau immer wieder vom neuen Vakuumglas der Marke Fineo, ohne die störende Evakuierungsöffnung herkömmlicher Vakuumgläser, ohne Dichtungen, das theoretisch ein Leben lang seine technischen Werte erhält. Wärmedämmung, Tageslichttransmission, Schalldämmung, solare Energiegewinne, viele der Werte neue Bestmarken. Aber wird das nur sechs Millimeter dünne Glas, das dämmt wie ein dickes Dreifach-Iso, wirklich schon verbaut, ist es in angemessener Zeit lieferbar und was muss bei der Verarbeitung beachtet werden? Diese und viele weitere Fragen wurden uns an einem Ort beantwortet, der uns alte Holzhandwerkskunst vor Augen führte, wie sie heute wohl nur noch selten zu finden ist: der Holzmanufaktur Rottweil, am östlichen Rande des Schwarzwaldes, tief im Neckartal gelegen und in den Räumen einer alten, denkmalgeschützten Pulverfabrik.

Vor mehr als 30 Jahren in einer kleinen Dorfschreinerei im Schwarzwald gestartet, arbeiten heute rund 100 Mitarbeiter in den historischen Industriegebäuden der ehemaligen Pulverfabrik, weit unten im Neckartal, das uns bei unserer Ankunft unweigerlich an Umberto Ecos Via Mala erinnert. Einige wenige Sonnenstrahlen gelangten am Morgen wohl bis zu uns hinunter und ließen Wasserdampf aufsteigen, der in den dunklen bewaldeten Hängen über uns als Streiflein Nebel steht. Vor uns die alte Pulverfabrik, von außen ein wenig gespenstisch bei dieser Wetterlage. Was wir jedoch im Inneren der Holzmanufaktur erleben durften, lässt sich nicht anders beschreiben als das Eintauchen in eine so alte wie perfekte Handwerkskunst, dass junge Leute aus dem ganzen Land anreisen, um sich hier ausbilden zu lassen. Nicht wenige sind so „beseelt“ von ihrer werterhaltenden und nachhaltigen Arbeit, dass sie nach Abschluss der Meisterprüfungen für Jahrzehnte bleiben.

Hier werden historische Holz- und Stahlfenster von Meistern der Schreiner-, Glaser- und Malerzunft so liebevoll von Hand restauriert, dass sie anschließend für viele Jahrzehnte weiter bestehen. Zu den Kunden der Manufaktur zählen sowohl öffentliche Auftraggeber als auch Architekten und Privatleute, die ältere Häuser besitzen und die wertvolle Substanz der historischen Fenster erhalten möchten. Für mehr als 3.500 Gebäude führte die Manufaktur inzwischen denkmalpflegerische Restaurationen und Nachbildungen aus, über Landesgrenzen hinweg, viele Arbeiten auch in der Schweiz und bis nach Griechenland. Zu den prominenten Projekten zählen das Schloss Achberg, die Villa Patumba (Zürich), das Schloss Saint-Marie (Lausanne), das Neue Schloss (Stuttgart) und der Dom in Speyer.

Mit Hermann Klos (Mitgeschäftsführer der Holzmanufaktur Rottweil) und Vertriebsleiter Karsten Braun genossen wir gemeinsam mit Roland Skomda, Vertriebsleiter Fineo Renowindow, eine Führung durch die Werkstatt, wo wir uns zeigen ließen, wie modernes Vakuumglas und zum Teil Jahrhunderte alte Fensterprofile zusammenkommen.

Handwerklich reparieren, aufarbeiten, nachbilden

Der Respekt vor der bestehenden Substanz ist hier allgegenwärtig zu beobachten. Geschäftsführer Klos erklärt: „Jedes Profil, jeder Fensterrahmen ist einzigartig, insbesondere wenn es sich um denkmalgeschützte, historische Stücke handelt. Manchmal erhalten wir Fenster zur Aufarbeitung, die schon seit Dekaden von Efeu überwuchert und verwittert waren, zwischenzeitlich bereits aufgegeben. Unser Ziel ist stets, die bestehende Konstruktion und jeden Millimeter der historischen Substanz zu erhalten – wir reparieren und arbeiten das Holz auf und bilden notfalls auch Teile exakt nach. Das ist nur in perfekter Handarbeit möglich, nicht maschinell. Anschließend strahlen und funktionieren die Fenster wieder einwandfrei und in einer Qualität, die man heute nicht mehr neu erwerben kann.“

Das klassische Holzhandwerk wird hier in einer besonderen Tiefe vermittelt: Die Holzmanufaktur arbeitet nicht mit CNC-Fräsen, sondern per Hand, mit Vorsicht und Exaktheit, unabhängig vom Projekt, ob es nun um ein altes Bauerhaus, denkmalgeschützte Industrieanlagen oder um Residenzschlösser geht – die nachhaltige Bewahrung wertvoller Bausubstanz steht immer im Vordergrund. Vertriebsleiter Karsten Braun erläutert: „Viele historische Fenster sind zwar sehr restaurierungsbedürftig wenn sie zu uns kommen, aber in ihrem Kern von solider handwerklicher, materieller, konstruktiver und funktionaler Qualität: Durch unsere Aufarbeitung kann man sich ein Leben lang weiter daran erfreuen und sie mit gutem Gewissen an die nächste Generation weitergeben.“

Den vollständigen Bericht und die Klärung der Frage, wie Fineo ins historische Holzfenster kommt, bringen wir in der kommenden Ausgabe von bauelemente bau, welche am 24. Juni druckfrisch verschickt wird.

Auf die Homepage der Holzmanufaktur Rottweil geht es hier entlang…

…und mehr Informationen zum Vakuumglas Fineo gibt es hier.

 

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