Fassadentechnik im Fokus
bb-Nachbericht: Jahresseminar 2025 des VFT – Verband für Fassadentechnik e.V.
Der 1. Vorsitzende Markus Schultz begrüßte die Teilnehmenden zur 31. Auflage des VFT-Seminars. Foto: Foto-Halisch
Mit einem Dreiklang aus Vernetzen, Vertiefen und Vorausdenken versammelte das VFT Jahresseminar am 20. und 21. November 2025 rund 280 Fachleute aus Planung, Fassaden-Industrie und Fassadenbau in Wiesbaden-Niedernhausen. Auch 2025 bot das renommierte Branchenevent viel Raum für aktuelle Themen der Fassadentechnik – von neuen technischen Lösungen über rechtliche Einblicke bis hin zu Herausforderungen im Planungsalltag.
Zum Auftakt begrüßte Markus Schultz (1. Vorsitzender VFT) die Teilnehmenden zum „Familientreffen der Fassadenbranche“ und betonte den hohen Stellenwert der traditionsreichen Veranstaltung als wertvolle Kommunikationsplattform für erfahrene Entscheider als auch den Nachwuchs – wieder vertreten durch zahlreiche Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach (DHBW) und der staatlichen Fachschule für Bau- und Glasbautechnik Vilshofen.
Erstmals durch das Programm führte als Moderator Martin Prösler (Prösler Kommunikation), der gleich zu Beginn ein zuletzt stark diskutiertes Thema ankündigen durfte: den Vogelschutz. Im Rahmen dieses ersten Vortragsblocks startete Martin Reick mit einem grundsätzlichen Überblick. Der Experte vom Flachglas MarkenKreis machte deutlich: Rund 115 Millionen Vögel sterben jährlich durch Kollisionen mit Glasfassaden – ein Problem, das bislang kaum baurechtlich geregelt ist. Wirksame Lösungen bestehen in der Kombination aus reduzierter Transparenz und verminderter Reflexion – zum Beispiel durch kontrastreiche Markierungen, matte Oberflächen oder spezielle Glasbeschichtungen.
Ergänzend dazu zeigte Julian Kittler (Goldbeck Süd GmbH), wie sich technische, gestalterische und wirtschaftliche Anforderungen mit wirksamen Vogelschutzmaßnahmen vereinen lassen – von bedruckten Gläsern über vorgelagerte Fassadenelemente bis zu transluzenten Baustoffen. Abschließend beleuchtete auch Stefan Hütten (Delheid Soiron Hammer) das Thema Vogelschutz – diesmal aus der juristischen Perspektive. Dabei betonte der Rechtsanwalt die wachsende Bedeutung naturschutzrechtlicher Anforderungen und riet Planern sowie Ausführenden zur rechtssicheren Kommunikation mittels Bedenkenanzeige.
Mehr Energieeffizienz und Grün
Thorsten Kühn vom Helmholtz-Zentrum Berlin zeigte auf, wie sich Solarenergie effizient in Fassaden integrieren lässt. Anhand konkreter Projektbeispiele stellte er verschiedene BIPV-Lösungen vor – von Glas-Glas-Modulen über Solarfolien bis hin zu semitransparenten Elementen. Einen „grünen“ Impuls lieferte Felix Mollenhauer vom Bundesverband GebäudeGrün e.V., der anschaulich die verschiedenen Begrünungssysteme – boden- und wandgebunden – erklärte.
Denkanstöße im Dialog
In einer von Prösler moderierten Gesprächsrunde diskutierten die Referenten anschließend gemeinsam mit dem Publikum die Anforderungen und Zielkonflikte bei der Integration von Vogelschutz, BIPV und Begrünung. Klar wurde: Zukunftsfähige Fassaden benötigen frühzeitige interdisziplinäre Zusammenarbeit, Schnittstellenkompetenz und praxisnahen Austausch – zum Beispiel auch in Form eines von einigen Anwesenden angeregten Arbeitskreises für „Best Practices“.
Globale Perspektiven
Zum Abschluss des ersten Tages warf der Wirtschaftswissenschaftler und Politologe Christophe Braouet einen globalen Blick auf wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen. In seinem ebenso kritischen wie unterhaltsamen Vortrag plädierte er für mehr Innovationsfreude und Eigenverantwortung in Europa – auch mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Bauwirtschaft.
Technik, Digitalisierung und Resilienz
Der zweite Tag begann mit einem Vortrag von Tobias Hillebrand (dormakaba Deutschland GmbH), der auf die steigenden Anforderungen an Sicherheitssysteme im Rahmen der Kritis-Regulierung einging. Gebäude als Teil kritischer Infrastrukturen erforderten künftig höhere Standards bei Zutritts- und Schutztechniken. Eine große Herausforderung mit wachsendem Marktpotenzial, so der Referent. Mit Blick auf die Befestigungstechnik präsentierte Thorsten Kühnert (fischer Deutschland Vertriebs GmbH) digitale Tools zur Planung und Bemessung sowie erste Anwendungen von Robotertechnik – etwa bei der Bohrlocherstellung.
Zum Abschluss gab Ines Angele einen spannenden Einblick in die praktische Anwendung von BIM bei der Ed. Züblin AG und räumte mit typischen Missverständnissen auf. Ihr Fazit: BIM ist kein Selbstläufer, sondern erfordert klare Strukturen, geschulte Anwender und vor allem auch eine realistische Erwartungshaltung.
Fazit und Ausblick
„Das VFT Jahresseminar 2025 hat erneut gezeigt, was unsere Veranstaltung ausmacht: ein starkes Fachprogramm, technische Tiefe und praxisnahe Impulse – kombiniert mit dem offenen Austausch auf Augenhöhe“, so das Fazit von Schultz. „Gerade die Mischung aus Fachvorträgen, Diskussionen und persönlichen Gesprächen macht die Veranstaltung zu einem echten Mehrwert für die Fassadenbranche.“
Das 32. VFT-Seminar findet am 19./20. November 2026 statt.
Mehr Infos zu dem Seminaren des VFT gibt‘s über diesen Link.
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