7. August 2020

bb-Marktübersicht: Kunststoff-Fenster und -Türen

Neue Oberflächen, Elementgrößen und Schiebesysteme

Viele Branchenvertreter gehen davon aus, dass die Öffnungsart Schieben weiter an Bedeutung gewinnt. Dafür sorgen vor allem Konstruktionen, die einfach zu bedienen sind. Foto: Schüco International K

Mit der umfangreichen Marktübersicht der Kunststoff-Fenster und –Türen wollen wir dem Fach-Handwerk sowie dem Bauelementehandel einen Überblick über das aktuelle Programm der überregional vermarktenden Fensterhersteller verschaffen. Dabei wollen wir vor allem die neu auf den Markt kommenden Konstruktionen in den Fokus nehmen.                        

Mit neuen faserverstärkten Profilen werden die Grenzen der maximal baubaren Größen weiter nach oben verschoben. Bereits 2008 hatte Rehau mit Rau‑Fipro einen faserverstärkten Verbundwerkstoff für die Produktion von Fensterprofilen auf den Markt gebracht. Mit der zweiten Generation Rau Fipro X und einem um über 50 Prozent erhöhten Glasfaseranteil im Flügelprofil wurden die Grenzen der baubaren Fenstergrößen noch einmal deutlich nach oben verschoben.

Zur Fensterbau Frontale 2020 wollten mit profine und Deceuninck gleich zwei Unternehmen neue glasfaserverstärkte Konstruktionen vorstellen. Die dabei verfolgten technischen Konzepte sind recht unterschiedlich.

Deceuninck setzt für sein Fenster- und Türsystem Elegant die Glasfasertechnologie ThermoFibra ein. Dabei handelt es sich um endlose Glasfaserstränge, die in den Außenwänden der Profile platziert werden. Auf den Einsatz einer Stahlverstärkung kann in der Regel verzichtet werden, was sich positiv auf die Wärmedämmung der Konstruktion auswirkt.

profine nützt dagegen für sein neues Fenstersystem proStratoTec den Hightech-Werkstoff Ultradur® von BASF. Dieser wird mittels Tri-Extrusion in die Premium-Systeme mit 88 Millimetern Bautiefe eingebracht. Die Stege ermöglichen es auch bei farbigen Profilen, auf den Einsatz von Stahl zu verzichten.

In der Optik von Aluminium-Fenstern                   

Neue Kunststoff-Fenster mit betont kantigen Alu-Vorsatzschalen und flächenbündigen Ansichten empfehlen sich als Alternative zu Aluminium-Fenstern.

Parallel dazu bringen zahlreiche Fensterbauer Konstruktionen im Holz/Alu-Look auf den Markt. Möglich macht das eine neue Dekorfolien-Generation, die eine verblüffend naturgetreue Optik und Haptik bietet. Das heißt die Oberflächen bieten nicht nur die seidig glänzende Oberfläche eines sorgfältig geschliffenen Holzfensters, sondern auch die Haptik einer strukturierten Pulverlack-Oberfläche.

Die passende Schweißtechnik dazu                    

Weitgehend ohne großes Aufsehen vollzieht sich in der Branche ein Wechsel bei der eingesetzten Schweißtechnologie. Dazu mögen auch die neuen Oberflächen beigetragen haben. Denn die Vorteile der neuentwickelten Schweißmaschinen kommen vor allem bei der Verarbeitung optisch sensibler Profiloberflächen mit besonders naturgetreuen Holzdekoren, unifarbenen Dekoren, matten Oberflächen, Profilen mit Acrylcolor-Oberflächen etc. zum Tragen, denn die Maschinen erzeugen statt einer breiten Schweißwulst nur eine feine Naht und damit eine geschlossene Folienoptik auf den Sichtflächen.

Zum anfangs erwähnten „Aufsehen“ zurückkommend: nur einzelne Unternehmen nutzen konsequent die neue Schweißtechnik beziehungsweise Eckenoptik für ihr Marketing. Damit wird wieder einmal eine Chance zur Differenzierung vergeben.

Schiebelösungen gewinnen weiter an Bedeutung                       

Nach wie vor hoch im Kurs stehen großflächige Elemente. Das Angebot an PSK- und Hebeschiebe-Türen wird zunehmend um Abstell-Schiebekonstruktionen erweitert, die sich durch eine besonders einfache und intuitive Bedienung und zudem eine hohe Dichtigkeit auszeichnen. Möglich macht das eine neue Beschlagmechanik, die beim Schließen des Elements den Flügel in die Dichtung presst. Zunächst einmal als Lösung für die Exportmärkte konzipiert, hat die neue Schiebelösung dazu das Zeug, sich auch im deutschen Markt großflächig durchzusetzen.

Vor allem in den Ballungsräumen sind die Grundstückspreise in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Entsprechend teuer und damit kostbar sind die Quadratmeterpreise bei Büro- oder Wohnimmobilien, was sicherlich zu weiteren Versuchen der Optimierung führen wird.

Dabei kommt der wesentliche Vorteil von Schiebelementen ins Spiel: Sie ragen beim geöffneten Zustand nicht in den Raum, lassen damit einen flexible Möblierung und die Nutzung der gesamten Grundfläche zu. Die hohe Dichtigkeit macht zudem den Einsatz in höheren Lagen möglich.

Die Marktübersicht der Kunststoff-Fenster und -Türen startet in der August-Ausgabe von bauelemente bau auf der Seite 80.